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Freitag, 27. Februar 2009

System Error – Veränderung tut not!

Eigentlich wollte ich ja zu dem Thema schweigen, weil es meiner Meinung nach nicht notwendig ist, zur derzeitigen „Wirtschafts- und Finanzkrise“ den Senf dazuzugeben. Schließlich hören wir jeden Tag auf allen Kanälen, wie schlecht es um uns steht und dass der Untergang quasi vor der Tür steht. Nachdem ich aber heut morgen im Radio hören durfte, wie sich DGB-Chef Michael Sommer zur Situation bei Opel äußerte, kann ich nicht mehr an mich halten. Der Boss der Dachorganisation der deutschen Gewerkschaften hatte nichts Besseres zu tun, von der Bundesregierung Hilfen für den Autobauer zu fordern. Es ginge um 25.000 Arbeitsplätze und Opel wäre sozusagen „systemisch“, also ein für das Wirtschaftssystem notwendiger Produzent, ohne den das Ganze droht, wie ein Kartenhaus zusammenzustürzen. Soweit, so schlecht. Bei mir kommen angesichts solcher Aussagen einige Fragen auf.
(1) Nehmen wir mal an, wir hätten keine „Krise“ und General Motors oder Opel selbst würde rote Zahlen schreiben, weil man auf das falsche Pferd gesetzt hat oder der Absatz aus anderen Gründen einbricht. Folge: Werke müssten schließen. Aus meiner Sicht, ein ganz normaler Vorgang in der Marktwirtschaft. Wer sich nicht behaupten kann, der geht halt unter. Was würde die Bundesregierung dann tun, Geld zuschießen? Was würden die Wirtschaftswächter und Marktfetischisten dazu sagen?
(2) Was ist die Autoindustrie für ein System, die, wenn ein Anbieter Bankrott geht, zusammenbricht? Rein theoretisch kann dies jederzeit passieren (s. 1.). Müsste das nicht eher von Vorteil sein, wenn Konkurrenten vom Markt verschwinden? Klar, die Firmen haben oft den gleichen hochspezialisierten Zulieferer und der hat ein Problem, wenn ein großer Kunde wegbricht. Aber da gibt es ja auch andere Lösungsansätze, als dass man besagten Kunden rettet. Zum Beispiel könnten sich die Automobilhersteller zusammenschließen und den wichtigen Zulieferer mit Krediten ausstatten. Das sollte doch möglich sein, bei den Geldern die in der Branche verdient werden, oder?
(3) Ich frage mich sowieso, wo all das Geld hin ist, dass die großen Firmen in den letzten Jahren verdient haben. Wollen die uns ernsthaft erzählen, dass ihre Taschen leer sind? Welche Branche, wenn nicht die Automobilindustrie, steht für höchste ökonomische Potenz? Die Raumfahrtindustrie? Die Waffenhersteller?
Vielleicht trügt aber der Eindruck. Vielleicht haben sich die klugen Köpfe aus der Buchhaltung gedacht, dass sie das gute Geld doch auch anlegen könnten, in Credit Swaps, CDOs etc., wo es eine gute Rendite bringt. Wahrscheinlich haben sie Milliarden Euro im großen amerikanischen Hypothekenloch versenkt und wollen das jetzt nur nicht zugeben. Fakt ist: Jeder Kleinanleger muss die Verluste aus seiner Tasche tragen. Die Global Player können die Hand aufhalten, weil die Politik das Gespenst des Systemuntergangs an die Wand malt. Was wäre eigentlich so schlimm daran, wenn der Raff-Kapitalismus und die Alles-jederzeit-verfügbar-Konsumgesellschaft untergeht? Ich jedenfalls finde die Vorstellung eher anregend.
(4) OK, die Absatzzahlen der deutschen Automobilhersteller gehen zurück. Vielleicht hat das aber auch Ursachen. Zum einen sicher auch die, dass Autos nun mal keine Wegwerfprodukte sind und eine verdammt lange Lebensdauer haben. Das ist gut für den Nutzer aber schlecht für die Industrie. Nun versucht man durch technische „Innovationen“ Bedarf zu erzeugen, doch leider scheint den deutschen Produzenten der elektrische Getränkekühler oder irgendwelcher anderer Schnickschnack wichtiger zu sein, als echte Neuerungen. Warum sonst liefen die hiesigen Produzenten bei der Einführung des Russfilters für den Dieselmotor hinterher? Wo sind die „grünen“ Auto aus Deutschland, die in Serie produziert und zu einem vertretbaren Preis unters Volk gebracht werden? Überrascht es irgendwen, dass das Thema Umwelt und Sparsamkeit in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen hat. Ist Mercedes, BMW & Co. entgangen, dass die Benzinpreise trotz gelegentlicher Auf und Abs deutlich höher sind als noch vor Jahren? Haben die großen Wirtschaftslenker nicht gemerkt, dass es immer weniger Menschen gibt, die sich die „Premium-Klasse-Wagen“ nicht mehr leisten können und dass es, wie bereits erwähnt, sinnvoll wäre kleinere, sparsamere Autos zu produzieren? Glauben die Herrschaften ernsthaft, dass ein Großteil der Inder oder Chinesen die Nobelkarossen auf den „Märkten der Zukunft“ ersteht? Hier hat man eindeutig eine Entwicklung verschlafen. Wenn Barack „Yes We Can“ Obama mit seinen Ankündigungen Ernst macht, Umwelttechnologien im großen Stile zu fördern, dann können wir uns schon mal warm anziehen. Ach nein, die Klimakatastrophe wird’s verhindern, dass wir frieren…

Es ist völlig uneinsichtig, warum ein marodes Wirtschaftssystem von staatlicher Hand gestützt werden soll. Irgendwie erinnert das verdammt an die DDR. Wer aber immer wieder Geld in Fässer ohne Boden schüttet, muss sich nicht wundern, wenn er irgendwann keins mehr hat. Denn seien wir ehrlich – ist ein Unternehmen groß genug, dass es sich „systemisch“ nennen kann, wird es sich in Krisensituationen hinstellen und, Hilfe betteln und sie höchstwahrscheinlich auch bekommen. Bezahlt wird das von uns allen, doppelt teuer wird es für die, die ökonomisch schlecht dastehen. Denn die staatlichen Mittel, die für all die Banken und Großunternehmen ausgegeben werden, führen dazu, dass an anderer Stelle gespart wird. Da die „kleinen Leute“ keine große Lobby haben wie die Automobilindustrie, zahlen sie die Zeche durch Abbau bezahlbarer sozialer und kultureller Angebote.

Persönlich halte ich die ganze „Wirtschafts- und Finanzkrise“ ja für ein inszeniertes Spektakel, bei dem die einfachen Leute abgezockt werden sollen. Das mag Mancher für eine Verschwörungstheorie halten, ist es aber nicht. Vor nicht allzu langer Zeit sah ich einen deutschen Spielfilm im Fernsehen, schwarz-weiß, also höchstwahrscheinlich aus den 60er Jahren, der den Börsencrash von 1929 zum Thema hatte. Kurz zuvor erklärte der Spiegel die aktuelle Krise in aller Ausführlichkeit. Seltsamerweise stimmten die Aussagen in Film und Artikel vollkommen überein. Meine Schlussfolgerung: Wenn deutsche Schauspieler vor vielleicht 40 Jahren das System der Leerverkäufe, die den Anfang und die Grundlage der ganzen Spekulationsblase darstellt, auf einfache Weise an den Zuschauer vermitteln können, hätten die Finanzexperten in New York, London, Tokio oder Frankfurt schon lange wissen können, was abgeht. Statt gegenzusteuern, hat man jedoch das verrückte Treiben immer weiter befördert, damit der Knall dann auch richtig weit zu hören sein ist. Wer hat aber ein Interesse daran, ganze Volkswirtschaften in den Ruin zu treiben? Die Kommunisten? Die Nazis? Das „Weltjudentum“, wie unsere rrrechten Kammerrraden sicher vermuten? Ich habe keine Ahnung. Wahrscheinlich sind es einfach nur Interessengruppen, mächtige Familien, die ihr Schäfchen längst im Trockenen haben und sich einen Scheißdreck um den Rest der Menschheit scheren. Denen die Umwelt am Arsch vorbei geht, denn die wird sicher leiden, wenn Produktionslinien in „Entwicklungsländer“ verschoben werden. Vielleicht ist es ja ein lang geplanter Coup zum Umbau der Weltwirtschaft? Worüber reden die eigentlich in Darvous? Die Großunternehmen sind auf jeden Fall dankbar dafür, endlich unrentable Zweige abstoßen zu können und sich andere „Problemfälle“ elegant vom Steuerzahler lösen zu lassen.

Besonders enttäuscht, und hier komme ich zum Ausgangspunkt zurück, bin ich über solche „Interessenvertreter“ wie Herrn Sommer. Wo sind die politischen Forderungen, endlich eine zukunftsfähige Gesellschaft aufzubauen? Krise bedeutet nicht zwangsläufig Gefahr des Untergangs, sondern sie ist Chance auf Veränderung. Da alle Länder mehr oder weniger gleichermaßen „betroffen“ sind, kann auch niemand behaupten, dass wir nichts machen können, da ein deutscher Alleingang unmöglich ist. Denn wenn Lösungen gefunden werden, dann nur solche, die weltweit gelten. Vermutlich werden die Ansätze, die unseren Politikern einfallen, wieder einmal nur unserer Großindustrie gefallen. Das muss aber nicht sein! In diesem Jahr finden vier Wahlen statt. Anstelle „Protest zu wählen“ oder gar nicht hinzugehen, sollten wir alle, je nach persönlicher Präferenz, mal die kleinen demokratischen Parteien unterstützen, damit die mal zeigen können, was sie so draufhaben. Ich glaube nicht, dass die Welt untergeht, wenn die Grünen an der Macht sind oder eine freie Wählervereinigung oder die Pogo-Partei. Sicher würde es einfach schon mal helfen, den alten Klüngel, die Verflechtung von Macht und Politik aufzubrechen. Vielleicht braucht es sogar nur einer klaren Artikulation der Wähler, was genau man denn will und wie man sich die Zukunft unseres Landes vorstellt. Ich denke, nur mit eigenen positiven Visionen lässt sich die unabsehbare Krise unserer Gesellschaft überwinden.

In diesem Sinne: „Yes We Can!“

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

schöner text, welcher mir aus der seele spricht. mögen die worte gehör finden. major

Octapolis hat gesagt…

Mensch Onkel D., das wird ja jedes mal mehr, demnächst ein Taschenbuch?

Wenn alles zusammengebrochen ist, machen wir dann eine Fährlinie auf? Du ein Kassenhaus drüben, ich eines auf meiner Seite. Das läuft immer. Dann verkaufen wir noch Hufeisennasen Burger und schon sind wir die Gewinner in der Krise. Wenn´s schief geht, setzten wir uns mit unseren Gewinnen nach Decin ab und so weiter... Ich feil´s noch ein bisschen aus.

Schönes Wochenende!

Onkel O.

Typhon hat gesagt…

Mal ein paar konkrete Zahlen zu Deinen Pauschalattacken gegen Hersteller von Prämium-Fahrzeugen:
http://www.sueddeutsche.de/,tt7m1/automobil/967/461593/text/

Tante hat gesagt…

Wie wahr. Eine Atmosphäre aus Angst und Sinnlosigkeit eben. Überall werden die Vorteile der Marktwirtschaft (mag sie auch sozial sein) gerühmt, genauso wie das tolle System des sich-selbst-regulierenden Marktes. Und dann sowas. Mit Vernunft hat das alles nicht wirklich zu tun.

Allerdings - was kann man erwarten, wenn sich der Bürger schon den Salzgehalt seiner Laugenbrezel von der EU vorschreiben lassen muss?

Gruß

Anonym hat gesagt…

guten Start